Interviews

Sr. Maria Michaela

 

 

Sr. Maria Michaela Merschmeier

84 Jahre alt

geboren in Bochum

seit 61 Jahren im Orden

lebt jetzt im Schwesternaltenheim St. Josef

in Brilon - Thülen

 

Was war Ihre längste Tätigkeit im Orden?

Ich war lange Jahre Lehrerin und Leiterin des Kindergartens und der Elementarschule Villa Paulina in Rom, Italien. Von 1957 bis 2008 lebte ich in Rom, habe aufgrund der Schultätigkeit die italienische Staatsbürgerschaft annehmen müssen.

Das war erst nicht leicht, aber die Italiener sind mir ans Herz gewachsen, besonders wegen ihrer Gastfreundschaft

Was sind Ihre Hobbys?

 

Kartoffelschälen, Handarbeiten, lesen, vor allem Krimis. Es muss in jedem Fall was Spannendes sein.(Auf dem Tisch liegt ein Buch von Agatha Christie, das ist in Englisch. Damit wird auch die Sprachkenntnis aufrechterhalten)

Wofür interessieren Sie sich noch?.

 

 

Ich habe immer noch einen starken Unternehmungsgeist und freue mich über innere und äußere Beweglichkeit.

Vielleicht schaue ich deshalb auch ganz gerne Fußball.

Weil ich selbst nicht mehr gut laufen kann, ist es schön, andere laufen zu sehen.

Welcher Satz oder welche Bibelstelle sind für Sie im Moment wichtig?

Spontan fällt mir da ein Text aus einem Buch ein, der mir aus tiefster Seele zusagt. Denn ich fühle mich von innen her jung, obwohl ich schon bald 85 Jahre alt werde.

In dem Text von P. Klemens Nodewald aus „Feuer und Flamme sein“, Echter Verlag, heißt es:

„Liebende Herzen altern nicht“ und dann geht es darum, dass man durch diese Einstellung kraftvoll und belastbar bleibt, aber auch beweglich, lebendig, munter, interessiert und aufgeschlossen. Auch wenn die Kräfte nachlassen, große Taten nicht mehr möglich sind, bleibt es ungebrochen, Gutes zu denken, reden und zu wünschen.

Das gibt meine Lebenshaltung sehr gut wieder..

Was sagt Ihnen die Aussage von Papst Franziskus über die Freude am Evangelium?

Die Frohe Botschaft ist das, woraus ich täglich lebe. Die innere Liebe erwächst aus der Beziehung zu Gott.

Ich bin mir sicher, wenn ich diesen Weg als Ordensfrau nicht gegangen wäre, wäre ich nicht in dieser inneren Freude.

Ich kann nur sagen, dass ich immer froh bin, auch Schweres kann einen da nicht umwerfen.

Erzählen Sie uns ein bisschen von ihrer Berufungsgeschichte

Den Anstoß in einen Orden zu gehen, bekam ich durch eine damalige Schwester. Die Anfrage ist bei mir hängen geblieben, aber keiner wollte es glauben, da ich schon immer sehr unternehmungslustig war. Ich bin damals schon viel gereist, was für die Zeit noch ungewöhnlich war. Mit 24 Jahren bin ich dann eingetreten, ich wusste was ich wollte.

Was hat Ihnen mal in schweren Situationen geholfen?

2011 erkrankte ich und konnte plötzlich nicht mehr laufen. Trotzdem hatte ich durch meinen Glauben ganz viel Energie und habe das Beste daraus gemacht.

Heute sitze ich im Rollstuhl, kann aber mit meinem elektrischen Rollstuhl, zusammen mit einer Mitschwester, Ausfahrten in die Natur machen. Ich habe Freude an der Landschaft. Die Natur, Gottes schöne Schöpfung weitet mein Herz.

Was kann man jungen Menschen heute sagen?

Dass sie ihren Glauben bewahren sollen. Ich habe Angst um unser Christentum. Wir zeigen als Christen zu wenig Stärke. Dabei könnten wir so viel Freude und Zuversicht weitergeben.