Interviews

Sr. Othilde

 

Schwester Othilde Willenborg,     
Mutterhaus   
86 Jahre alt,
65 Jahre im Kloster
Wirtschafterin, Köchin

 

çSr. Othilde beim 'Patras'

 

Wofür interessieren Sie sich in Ihrer „Freizeit“?

 

Ich interessiere mich für viele Dinge: lesen, interessante Sendungen in Politik und Unterhaltung, Spaziergänge im Garten; ich nehme teil an der wöchentlichen Zusammenkunft der Gruppe „Patras“ [Anm.: Paderborner Trainingsprogramm für Senioren].

Welcher Satz (oder welche Bibelstelle) ist für Sie im Moment wichtig?  Bitte spontane Antwort.

„Wenn es der Wille Gottes ist . . . !“

Papst Franziskus schreibt an die Ordensleute: „Die Freude des Evangeliums  erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen. Was sagt Ihnen diese Aussage? Erzählen Sie etwas über Freude in Ihrem Leben.

 

 

Die Freude ist ein Grundbegriff im Glauben. Ich habe oft erfahren, dass man mit Freude und Frohsinn am ehesten Menschen helfen und Menschen gewinnen kann. Von Natur aus bin ich ein froher Mensch. Ich bin in einer frohen, harmonischen Familie auf einem Bauernhof aufgewachsen, es gab nie einen Unterschied zwischen den Geschwistern, das hat mich geprägt. [Anm.: Es gab Halbgeschwister, da der Vater als Witwer mit kleinen Kindern wiedergeheiratet hat.]  Durch mein Leben als Ordensfrau hat sich die Freude vermehrt, vertieft. Ich fühle mich geborgen.  Im Gebet und in der Meditation kann ich immer wieder zur Ruhe und Freude zurückkehren. 

Sicher gab es in Ihrem Leben auch schwere Stunden, Zeiten?

Das Gemeinschaftsleben erfordert tägliche Rücksichtnahme, das ist nicht immer leicht; aber es gibt auch gegenseitige Hilfe. Und die vielen Versetzungen haben mir schon zu schaffen gemacht. Geholfen hat mir immer die Gewissheit, in den Orden, in diese Gemeinschaft zu gehören. Es ist für mich wichtig, ein gerechtes, wahres Leben zu führen. Treue spielt dabei eine große Rolle: Treue zu meinem Versprechen, zu den Gelübden, zum Orden. Ich bin immer zufrieden, wenn alle (Schwestern, Mitarbeiter usw.) in Ruhe miteinander leben.   Besonders schön finde ich die Feiertage und kirchlichen Hochfeste; die Freude am Sonntag wird von Woche zu Woche weitergetragen.

Gibt es etwas, was Sie Jugendlichen heute sagen möchten?

Mit „sagen“ wäre ich vorsichtig, sagen nur, wenn ich Interesse spüre; sonst ist „Beispiel“ besser.  Ich wurde bei meiner früheren Tätigkeit öfter gefragt: ´Sind Sie wirklich glücklich im Kloster?´ Meine Antwort: ´Ja, warum nicht´?